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Nachruf

Geboren am 13.07.1913 – verstarb unser lieber Kollege, Freund und Vorbild Karlmann Richter am Sonntag den 26.06.2005 kurz vor Vollendung seines 92. Lebensjahres.

Er durchlebte seine Kindheit und Jugend in einer Zeit, wo es sich nicht „gehörte“ tätowiert zu sein- jedoch seinem größten Wunsche entsprach.
Tätowierungen waren für ihn lange Zeit unerreichbar. Erst nach dem Kriege fand er den Mut sich selbst zu tätowieren.
Nach einigen Selbstversuchen fand er nach langer Suche einen Tätowierer in einer Parallelstraße der Reeperbahn in Hamburg, wo Karlmann nun endlich seine erste Übertätowierung erhielt.
Von seinem unbändigen Wunsche getrieben, setzte er sich über alle Vorurteile hinweg und kam wieder in die Hansestadt, wo er von Christian Wahrlich gehört hatte. Diesen suchte er auf und er verbesserte ihm die vorhandenen Tattoo’s und fügte auf Karlmanns Wunsch auch weitere Tätowierungen hinzu.

Nach vielen weiteren entbehrungsreichen Jahren lernte Herr Richter Herrn Herbert Hoffmann und dessen Lebensgefährten kennen. Beide halfen ihm sich von seinem so unglücklichen Leben zu trennen und so ergab es sich, dass Karlmann 1970 nach Hamburg zog und anfing für Herbert Hoffmann in dessen „Ältester Tätowierstube in Deutschland“, am Hamburger Berg 8 zu arbeiten.
Mit zunehmendem Alter seines Lebensgefährten zog sich Herbert mehr und mehr aus dem Geschäft zurück und überließ von 1982 an die alleinige Führung Karlmann Richter, der übereignete es 1984 an Herberts Neffen.
Karlmann verlebte noch einige Jahre bei Herbert in der Schweiz, aber es zog ihn wieder nach Hamburg zurück.
So oft er konnte besuchte uns Karlmann im Geschäft. Es war immer interessant und erfrischend wenn er mit seiner aufgeschlossenen, zuvorkommenden Art über „früher“ erzählte.
Er versuchte uns so viel wie möglich von seinen Erfahrungen weiterzugeben, welche er in seinem Leben, nicht nur als Tätowierer, sammelte. Er war ein sehr guter und ehrlicher Freund, für mich fast wie ein Vater geworden.
Die letzten Jahre verbrachte er bei seinem Sohn Manfred und dessen Familie, wo er liebevoll umsorgt und gepflegt wurde und in den Armen seines Sohnes verschied.

Wir alle trauern um einen treuen Freund, den wir immer in bester Erinnerung behalten werden!

Karlmann wollte, bescheiden wie immer, keine Trauerfeier und nur ein anonymes Begräbnis!
Sein letzter Wille:
„Grüßt alle die mich kennen!“