NACHRUF
Albertus Cornelissen, der älteste Tätowierer Europas,
verstarb am Samstag den 19.Dezember 2009 in seiner Wahlheimat Hamburg im Alter
von 96 Jahren.
Im Jahre 1913 in Rotterdam geboren, sah er als kleiner Junge schon viele Seeleute aus vielen Ländern. Er sah deren Tattoos
und auch seine Onkel fuhren zur See und hatten Tätowierungen auf Armen und Brust.
Mit zunehmendem Alter interessierte er sich immer mehr für das Tätowieren, Versuche mit Tinte und Nadeln wurden nichts.
Beim Militär bekam er von einem Kollegen den ersten Anker auf den Arm gestochen, er war überaus glücklich mit dem ersten Tattoo.
Nach seiner Militärzeit musterte er in Rotterdam als Seemann an. Er bereiste so mit verschiedenen Schiffen die ganze Welt und ist in Norfolk, Virginia USA an Land gegangen.
Dort war ein großer Marinestützpunkt und es wurde viel tätowiert. Der beste Tätowierer war „Coleman“. Nach einigen Tattoo`s fragte dieser, ob „Al“ ihm ein paar Schablonen machen würde und war mit dieser Arbeit sehr zufrieden, dort bekam Opa Albert sein Rückentattoo.
In New York arbeitete er dann bei einem Tätowierer Namens
„Bill Jones“ als Rausschmeißer, der ihm dann die Brust verschönerte. Bei ihm lernte er auch das Anfertigen von Spulen und Tätowiermaschinen. Zwischendurch besuchte er immer wieder seinen Freund Coleman in Norfolk.
Dann kam der 2. Weltkrieg, wo Albertus Cornelissen, über fünf Jahre auf dem Atlantik, als Seemann seinen Dienst verrichtete.
Nach dem Kriege fuhr er wieder zur See, von New York nach San Antonio in Chile, wo er seine Frau Virginia kennenlernte.
Eine Reise dauerte 48 Tage. Er hatte einen kleinen Koffer mit Motiven und Tattoomaschinen und verdiente zwischen den Seereisen sein Geld mit dem Stechen von Tätowierungen.
1953 nutzte er die Gelegenheit um mit einem holländischen Schiff in seine Heimat zurück zu kehren, denn er hatte seine Mutter über 20 Jahre nicht gesehen. Er erfuhr, dass sein Vater im Krieg verstorben ist und entschied sich in Europa zu bleiben.
Nach kurzer Zeit ließ er seine Frau und seinen Sohn nachkommen und die Familie war wieder komplett.
Um Geld zu verdienen, mietete er sich seinen ersten Laden mit angrenzender Wohnung für 24 Gulden, im Hafengebiet.
Das Geschäft florierte und des Öfteren musste er sogar Kunden rauswerfen, denn er arbeitete von Morgens 8.00 bis Nachts 2.00 Uhr.
Nach einigen Jahren kamen Herbert Hoffmann und sein Lebensgefährte Jakob Acker als Kunden zu ihm und er hat beiden eine Tätowierung am Bein gestochen. Die drei verband schon bald eine innige Freundschaft. Albert besuchte Herbert, der damals noch in Düsseldorf wohnte, immer öfter und tätowierte dort die Soldaten aus Kanada. Er richtete sich ein kleines Wohnmobil ein, nahm seine Frau mit zwei Kindern und war alsbald wieder auf Reisen, diesmal als Tätowierer.
Irgendwann blieb er in Augsburg hängen, wo er bei MAN arbeitete, und nebenbei amerikanische Soldaten verschönerte.
Es packte ihn wieder die innere Unruhe als sein Sohn Alex sagte, dass er zur See fahren möchte und so kam es zu dem Entschluss, mit seiner Familie nach Hamburg zu ziehen.
Er wollte mit seinem Sohn zusammen anheuern, doch aus
Altersgründen wurde er nicht mehr als Seemann eingestellt.
Sein Sohn blieb auch in Hamburg und so arbeitete er bald bei der Bahn.
Nach einiger Zeit traf er seinen Freund Herbert Hoffmann wieder. Als dieser in die Schweiz auf seinen Altersruhesitz
übersiedelte wurde er dort von Opa Albert besucht.
Ich lernte Opa Albert, wie wir ihn nannten erst im Alter von 70 Jahren durch Herbert Hoffmann kennen. Er half mir die ersten Jahre in der Ältesten Tätowierstube und ich schätze mich glücklich, von seiner Erfahrung zu profitieren. Opa Albert war ein freundlicher und hilfsbereiter Mensch, der, wann immer er gebraucht wurde, seine Hilfe und Freundschaft anbot und nie einen Dank einforderte.
Opa wir werden Dich vermissen.
Günter Götz